Evaluierungsprojekte
In acht Städten und einem Kreis in NRW wurden verschiedene Projekte ausgewählt, begleitet und evaluiert. Die Projekte umfassen Neubauten, Erweiterungsbauten sowie Sanierungen. Folgende Bauvorhaben wurden im Rahmen der Machbarkeitsstudie begleitet:
- Haus des Wissens, Bochum
- Erweiterung Firmengebäude Louis Opländer GmbH, Dortmund
- Sanierung der Kunsthalle, Düsseldorf
- Neubau Veronikastr., Essen
- Neubau einer Produktionshalle in Hiddenhausen (Kreis Herford)
- Neubau Mont-Cenis-Gesamtschule, Herne
- Erweiterungsneubau der Königin-Luise-Schule, Palmstraße, Köln
- Pandion Office Home, Köln
- Unterkunftsgebäude Institut der Feuerwehr NRW, Münster
Arten der Bauantragsprüfung
Die Studie unterscheidet drei Vorgehensweisen, um die Anwendbarkeit für Kommunen und Kreise zu bewerten:
- BIM-basierte Bauantragsprüfung parallel zur konventionellen Prüfung: Die Prüfung erfolgt sowohl auf Basis des BIM-Modells als auch mit den üblichen 2D-Plänen und PDF-Dokumenten.
- BIM-basierte Bauantragsprüfung im Nachgang zur konventionellen Prüfung: Der Bauantrag wird zunächst wie gewohnt geprüft. Die Prüfungen am BIM-Modell werden nachträglich vollzogen.
- Rein BIM-basierte Bauantragsprüfung: Bauanträge werden ausschließlich anhand des BIM-Genehmigungsmodells geprüft.
Der Prüfablauf und die Rolle der Vorprüfung
Das generelle Vorgehen in den Projekten folgt einem strukturierten Ablauf (siehe Abbildung 1). Zur Überprüfung der Vollständigkeit der im Modell enthaltenen Informationen wurde in Zusammenarbeit mit den Planenden eine formale Vorprüfung durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigten, dass eine zusätzliche fachliche Vorprüfung durch die Planenden hilfreich ist, um direkt prüfbare Modelle zu erzeugen. Durch diese Prüfung wird die Qualität der Modelle weiter verbessert. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die Bauaufsicht die Modelle direkt nutzen kann und schnell eine Prüfbarkeit hergestellt wird.
Abbildung 1: Prüfablauf in den Projekten und beteiligte Akteure
Fachliche Prüfungen und geprüfte Themen
Nach der Aufbereitung der Modelle standen spezifische fachliche Prüfungen der Landesbauordnung im Fokus der Machbarkeitsstudie. Dabei wurde zwischen der reinen Visualisierung und der teil-automatischen Prüfung unterschieden. Folgende fachlichen Prüfungen stehen im Fokus der Machbarkeitsstudie:
Erkenntnisse zur Modellierungsrichtlinie
Basis der Studie war die durch die Stadt Bochum entwickelte Modellierungsrichtlinie zur Prüfung von BIM-Modellen nach der Landesbauordnung Nordrhein-Westfalen. Um die Praxistauglichkeit zu erhöhen, wird eine anpassbare Version für unterschiedliche Beteiligte gewünscht. Planende sollen die Möglichkeit haben, die Richtlinie bauteilbezogen oder gewerkebezogen zu nutzen.
Die Modellierungsrichtlinie soll zudem verschlankt werden, um die Anwendbarkeit zu erleichtern. Dazu wurde ein Ansatz entwickelt, der die Bündelung von Attributen auf Bauteilebene und die Definition eines separaten Attributsatzes für den Brandschutz vorsieht. Eine eindeutige Datenhaltung soll Redundanzen vermeiden, indem Informationen nur an einer Stelle im Modell gespeichert werden.
Erkenntnisse zu den Prüfschritten
Ein wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass BIM-Modelle die Transparenz und das Verständnis des Bauvorhabens deutlich erhöhen. Durch die Möglichkeit, Aspekte aus verschiedenen Sichten zu visualisieren, lassen sich komplexe Sachverhalte schneller erfassen. Die einzelnen Prüfungsschritte konnten im Prozess sehr gut nachvollzogen werden. Dabei wurden die Ergebnisse durch geeignete Visualisierungen, wie beispielsweise die farbliche Markierung relevanter Bauteile, anschaulich vermittelt. Insgesamt hat sich gezeigt, dass die Nutzung von BIM-Modellen für die baurechtliche Prüfung geeignet ist und zu einer Effizienzsteigerung führen kann.
Fazit
Die Machbarkeitsstudie bestätigt, dass die BIM-basierte Baugenehmigung kein theoretisches Modell bleibt, sondern in der Praxis erfolgreich anwendbar ist. Mit den erarbeiteten Standards ist der Weg geebnet, die digitale Transformation der Bauverwaltung in NRW voranzutreiben.
Sämtliche Projektergebnisse sowie die überarbeitete Version der Modellierungsrichtlinie werden unter https://bimbauantrag.nrw als Open Data veröffentlicht.